Prof. Dr. Meinrad Walter während des Vortrags

Einführungsvortrag von Prof. Dr. Meinrad Walter in Händels „Messias“

Als gelungener Auftakt zu den beiden Aufführungen des „Messias“ von Georg Friedrich Händel fand am 19. November ein Einführungsvortrag von Prof. Dr. Meinrad Walter im Gemeindezentrum Herz Jesu in Ettlingen statt. Die gut besuchte Veranstaltung war gemeinsam mit der Volkshochschule Ettlingen angeboten worden, um allen Interessierten einen fundierten Werkeinblick zu geben. Dass dies höchst unterhaltsam und kurzweilig gelang, war dem animierten und durch viele Ton-Beispiele belebten Vortrag von Meinrad Walter zu verdanken.

Der Hochschuldozent, Buchautor und stellvertretende Leiter des Amts für Kirchenmusik in Freiburg führte unter den verschiedensten Aspekten in das Werk ein:

Die emotionalste Herangehensweise stellte er dabei durch den Autor Stefan Zweig vor, der in seinen berühmten „Sternstunden der Menschheit“ die Schaffung des „Messias“ als „Auferstehung Georg Friedrich Händels“ bezeichnete. Einen regelrechten Schaffensrausch beschrieb Zweig, der den zunächst sich zögernd an das Thema des „Allerhöchsten“ nähernden Händel mit sich riss.

Dieser erzählerisch-fiktiven Annäherung stellte Meinrad Walter den historischen Kontext der Oratorienkomposition gegenüber. Dabei beleuchtet er sowohl Händels Opern-Hintergrund als auch die Funktion der Predigt. Die Dreiteilung des Oratoriums in „erwartet-kommend“, „leidend-auferstehend“ und „wiederkommend als Richter und Retter“ griff Walter kunsthistorisch in der Gegenüberstellung mit der Portalvorhalle des Freiburger Münsters auf. Dessen dreiteiliges Tympanon baut sich in „Jugendgeschichte“, „Passion“ und „Jüngstem Gericht“ auf, was eine parallele Betrachtung der Komposition zuließ. Dazu ging Prof. Walter ebenfalls auf die Auswahl der Bibelverse Charles Jennens ein, des Dichters des Messias-Librettos, wobei er hier noch die Deismus-Kontroverse zwischen Altem und Neuem Testament in den Kontext der Barockzeit stellte.

Das Aufzeigen von Gegensatzpaaren in der Klangdynamik und dramaturgischen Effekten der Komposition, die musikalisch die Heilsgeschichte erzählen, unterstützte Prof. Walter mit zahlreichen Tonbeispielen. Eine spannende Gegenüberstellung gelang in der jeweiligen Deutung der Weihnachtsgeschichte durch Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach.

„Amen, amen, amen“ bildet denn auch der Schluss des Vortrags, wiederum zitiert und abgerundet aus den Zweig’schen „Sternstunden“, der seine Darstellung der Komposition in diesem Wort gipfeln ließ.

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