Händels berühmtestes Oratorium erklang in der Neunkirchener St.-Bartholomäus-Kirche unter der Gesamtleitung von Bruno Hamm

Von Pia Geimer

Neunkirchen. Ein Heimspiel war die Aufführung von Georg Friedrich Händels „Messias“ am Samstagabend in der katholischen Kirche St. Bartholomäus. Denn der Dirigent und Chorleiter Bruno Hamm ist in Neunkirchen aufgewachsen und besuchte nun mit seinem Vokalensemble „Herz Jesu“ aus Ettlingen seine alte Heimatkirche im Kleinen Odenwald. Gemeinsam mit dem Barockorchester „L’arpa festante“ aus München sorgten er und seine Sänger für eine frisch, ziemlich englische Aufführung eines altbekannten Klassikers.

„Englisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur die Wahl der originalen englischen Textversion Händels, sondern vor allem die historisch informierte Aufführungspraxis und die stilistische Konzeption dieses Projektes, für das man sich mit „L’arpa festante“ ein bekanntes, auf Barockinstrumente spezialisiertes Orchester eingeladen hatte, das diesen Ansatz überzeugend mittragen würde. Mit zwölf Streichern, zwei Oboen, Fagott, Pauken und zwei Barocktrompeten war das Orchester recht klein besetzt und erlaubte eine filigrane Umsetzung dieses mächtigen, fast drei Stunden dauernden Werkes, Aus dem Barock stammt auch die Tradition, in der Continuogruppe nicht nur Cello, Violone und Orgel bzw. Cembalo zu besetzen, sondern auch eine Laute, die vor allem den zarten Accompagnati ihre ungewöhnliche Klangfarben hinzufügte.

Dass mit den Barockspezialisten von L’arpa festante ein guter Griff gelungen war, zeigte sich bereits in der einleitenden Symphony. Ganz ohne opernhaften Gestus, mit vibratolosem Klang etablierten die Musiker hier die Ernsthaftigkeit und Klarheit, die diesen „Messiah“ bis zum Ende prägen sollte. Bruno Hamm am Pult konnte sich auf die Präzision und musikalische Eigenständigkeit der Instrumentalisten fest verlassen und sich mit relativ kleinen, flüssigen Gesten ganz dem Gesamtausdruck der Musik konzentrieren.

Sein Vokalensemble „Herz Jesu“ aus Ettlingen und Karlsruhe ist mit rund 40 Sängerinnen und Sängern ebenfalls von übersichtlicher Größe, also genau richtig für die erstaunlich füllige und dennoch transparente Akustik der Bartolomäuskirche. Wie bei vielen Chören mochten vielleicht noch ein paar gute Männerstimmen (vor allem im Tenor) fehlen, aber die Frauenstimmen schlugen sich prächtig und ließen das leichtfüßige Gesamtkonzept sehr schön aufgehen.

Bruno Hamm erwies sich als einfallsreicher und umsichtiger Dirigent, der seinen Musikern viel Raum zur Entfaltung ließ und dennoch alle Fäden in der Hand behielt. Er wählte zuweilen bewusst langsame Tempi, wodurch vor allem in den Chören des zweiten Teils „Behold“ und „Surely“ wirklich anrührende Momente entstanden. Erfrischend geschmackvoll und federleicht musiziert waren das „Hallelujah“ und auch der Schlusschor mit dem prächtigen „Amen“, mit dem dieser „Messiah“ in Neunkirchen unter großem Beifall zu Ende hing.

Entnommen der Rhein-Neckar-Zeitung, Ausgabe Mosbach vom 1.12.2015

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